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Wait A MO by Tanja Nedwig
Momente aus Fashion, Lifestyle und Kunst. Begegnungen in Berlin und woanders.
BOB IS POSSIBLE: Ich bin eine praktische Frau und begeistert von der Möglichkeit einen Long Bob zu tragen, ohne beim Friseur gewesen zu sein. Einfach die Haare unter dem Blazer oder Mantel-Kragen gelassen und fertig ist die Typ-Veränderung, die man ein paar Tage ausprobieren kann, ohne sich gleich von dem Freund oder dem langen Zopf zu trennen.

BOB IS POSSIBLE: Ich bin eine praktische Frau und begeistert von der Möglichkeit einen Long Bob zu tragen, ohne beim Friseur gewesen zu sein. Einfach die Haare unter dem Blazer oder Mantel-Kragen gelassen und fertig ist die Typ-Veränderung, die man ein paar Tage ausprobieren kann, ohne sich gleich von dem Freund oder dem langen Zopf zu trennen.

(Quelle: waitamo.de)

SUNDAY IMPRESSION: Ein Wochenende, an dem alle ausgeflogen sind. Geöffnete Türen im langen Flur, werfen Lichttrapeze auf den Boden. Ein Blick ins Kinderzimmer auf Betten mit blauen Tagesdecken, Licht durch die Vorhänge spielt, Schulmappen vergessen in den Ecken. Es ist still im Haus, das Espresso-Kännchen kocht, Zeit scheint stehen geblieben auf der runden Küchenuhr. Höre meine Schritte auf den Dielen, sehe aus dem Küchenfenster die roten Ziegel des Daches im Hinterhof, die Straßenbahn zieht vorn heraus ihre Bahnen, ein paar Tage, um für sich zu sein, ein anderes Tempo, Freude, wenn sie wieder nach Hause kommen.

SUNDAY IMPRESSION: Ein Wochenende, an dem alle ausgeflogen sind. Geöffnete Türen im langen Flur, werfen Lichttrapeze auf den Boden. Ein Blick ins Kinderzimmer auf Betten mit blauen Tagesdecken, Licht durch die Vorhänge spielt, Schulmappen vergessen in den Ecken. Es ist still im Haus, das Espresso-Kännchen kocht, Zeit scheint stehen geblieben auf der runden Küchenuhr. Höre meine Schritte auf den Dielen, sehe aus dem Küchenfenster die roten Ziegel des Daches im Hinterhof, die Straßenbahn zieht vorn heraus ihre Bahnen, ein paar Tage, um für sich zu sein, ein anderes Tempo, Freude, wenn sie wieder nach Hause kommen.

(Quelle: waitamo.de)

RIKE FEURSTEIN: HUETE, STRICK, ACCESSOIRES & ILLUSIONEN

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Die Berliner Designerin Rike Feurstein mag das ambivalente Spiel aus Illusionen und anderen Welten, Türen, die sich öffnen können, Vergangenes, das in die Gegenwart transferiert werden kann. So sind ihre Mützen und Accessoires zum einen aus grobem Strick, dem unverkennbaren Rike Feurstein Look und auf der anderen Seite Hut-Kollektionen mit charmanter Leichtigkeit, immer schick und mit Humor entworfen. Viele Optionen sind in der Rike Feurstein Welt möglich.

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Lässigkeit sei eine wichtige Eigenschaft mit der man die Rike Feurstein Hüte tragen kann und je nach Laune und Stimmung mit Konventionen spielt oder sie eben bricht. Ihr Store in der Rosa-Luxemburg-Straße ist ein Erlebnis und birgt beim Betreten die Illusion eines Schlosses. Nebenan liegt der Rittersaal mit Schachbrett-Boden. Hutmodelle für den Herren und legere Unisex-Modelle im Musiker- oder Dandy-Style machen Spaß beim Ausprobieren.

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Geheime Türen verbergen sich hinter den Tapeten-Wänden. Es ginge um das Spiel der Andeutungen, was mit einem Hut möglich sein könnte, wer man vorgeben möchte zu sein. Rike Feurstein ist der Meinung, dass Hüte etwas Machtvolles und Transformatives haben, in der Lage sind, ein gesamtes Outfit zu verändern. Für Hüte habe sie sich schon immer interessiert. Sie hat Lust auf den skulpturalen Ansatz, man habe keinen Schnitt, würde dreidimensional denken und Formen bauen, die auf den Kopf passen. Das Denken wäre dem eines Bildhauers oder Schuhmachers ähnlich.

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Für den kommenden Winter sind Strickmützen mit abnehmbaren und zuckersüßen PomPoms aus Kunstfell ein Traum. Zu der Mütze kann man sich jeweils zwei PomPoms in verschiedenen Farben aussuchen. Genauso wie es die schicken Fedora-Hüte mit breiter Krempe mit je zwei Hutbändern gibt.

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Entzückt war ich neben einer türkisfarbenen Schapka, von der Kappe mit zwei Leo-PomPoms.

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Auf die Frage, welches vergangenes Jahrzehnt sie am meisten faszinieren würde, antwortet Rike Feurstein, dass sie die 40er Jahre besonders spannend findet. Eine unheimlich freie und sehr experimentelle Zeit müsse das gewesen sein, Zenit solcher Legenden wie Coco Chanel oder Elsa Schiaparelli, Muse viele Künstler des vergangenen Pariser-Mythos.

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Rike Feurstein, die sich selbst als Surrealistin bezeichnet, ist ständig auf der Suche nach neu entstehenden Welten und Räumen. In ihrem Schaufenster hat sie die kleinste Galerie der Welt eröffnet. In dem Schaukasten (30x30x30cm) wird ein Künstler mit extra dafür angefertigten Unikat-Werken präsentiert. Rike Feurstein lacht, als sie erzählt, dass auch Gruppenausstellungen möglich seien. Aktuell stellt der in Berlin lebende Künstler Tony Just aus. Rike Feurstein wollte der Tendenz in der Kunst-Szene nach dem Motto „größer und noch größer“ etwas entgegensetzen. Sie findet, dass eine Galerie ein eigener Raum sei, eine Illusion bei der es um Kunst ginge, genauso wie es bei Hüten um die Skulptur geht.

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RIKE FEURSTEIN
Mo- Fr: 10.00- 19.00/ Sa: 12.00- 19.00
Rosa-Luxemburg-Straße 28
10178 Berlin-Mitte
www.rikefeurstein.com

(Quelle: waitamo.de)

LOUBOUTIN: HIGH HEELS AUS PARIS

Die Verlangsamung der Dinge &  die Schönheit des Arrondissements
Sie sind Wünsche & Begierde zugleich, Objekte femininer und maskuliner Träume, sie verändern die Silhouette der Trägerin lasziv, lassen sie in höheren Gefilden schweben, sie fokussieren Blicke, sind Fashion oder Fetisch, die High Heels mit den rot lackierten Sohlen des Christian Louboutin aus Paris. Rot ist für Christian Louboutin auch keine Farbe, sondern die pure Existenz von Weiblichkeit.
Vor zwei Tagen wurde „High Heels aus Paris“ das filmische Porträt über Christian Louboutin, der 1991 seine erste Boutique in Paris eröffnete und heute als Meister der Schuh-Couture gilt, vorab in Berlin gezeigt. Diesen Samstag gehört die Erstausstrahlung auf arte mit zu den Höhepunkten auf dem thematischen Fashion Weekend.

(Louboutin High Heels aus Paris, photo © arte)

Ein Porträt der Filmemacherin Farida Khefla, das Einblick in die Kindheit von Christian Louboutin gibt, von den Wünschen eines Jungen erzählt, der aufgrund seiner dunklen Hautfarbe davon ausgeht, adoptiert worden zu sein, eigentlich aus Ägypten zu kommen und mit zwölf Jahren anfängt, die ersten Schuhe zu zeichnen. Der Film zeigt den Künstler und Handwerker zugleich, dessen Akribie bis ins kleinste Detail und handelt auch von Freundschaft in der Geschäftswelt. Wunderbar die Geschichte des bunten Louboutin Schuhs, der von 24 Stunden im Leben einer Pariser Studentin erzählt mit eingearbeiteten Metro-Tickets oder Franc-Münzen.
Christian Louboutin, der mit der Filmemacherin Farida Khefla bei der Berliner Voraufführung in der Französischen Botschaft anwesend war, sagt nach dem Film, dass Reisen zu seinen wichtigsten Inspirationen gehöre. Reisen sei gut für die Freiheit und Toleranz, weil man verschiedene Wertesysteme erleben würde.
Auf die Anmerkung, dass man in High Heels nicht unbedingt praktisch laufen könne, antwortet er: „Absätze verlangsamen. Ich bin für die Verlangsamung der Dinge.“ und meint weiter, dass er, wenn er stundenlang in einem Cafè sitzen würde, niemanden um sich herum wie in einem Stadion  laufen sehen würde und fragt zurück: „Warum wollen alle rennen und dann noch in eine Richtung?“

(Christian Louboutin und David Lynch, Louboutin High Heel aus Paris, photo © arte)

Am Ende erzählt er die reizende Anekdote einer Dame, einer Nachbarin, die in der gleichen Straße wohnt, in der er seine Boutique hat. Die Dame erklärte ihm, dass sie erst mit seinen High Heels, in denen sie langsam und mit Zeit spazieren gehen würde, bemerkt habe, wie schön das Arrondissement eigentlich sei mit den Blumen auf den Balkonen, der Architektur, dem kleinen Brunnen. Die Frau sollte sich ihres Körpers bedienen, so Christian Louboutin, so wie er persönlich den Park mehr als die Landschaft mögen würde.

LOUBOUTIN HIGH HEELS AUS PARIS
Samstag, 27. September, 22.50 auf arte
(Dokumentation von Farida Khefla, Frankreich 2013)

mehr Infos  zum arte FASHION WEEKEND unter:

arte FASHION WEEKEND

(Quelle: waitamo.de)

A MOMENT WITH: MIRON ZOWNIR

Seit über dreißig Jahren richtet Miron Zownir seine Kamera auf Augenblicke und Situationen, die man im Normal-Radius nicht unbedingt zu Gesicht bekommt, weil man in dieser Richtung nicht sucht, Schatten oft nicht zu den anvisierten Zielen gehören. Als radikale Fotografie der Gegenwart bezeichnet, fotografiert Miron Zownir in den großen westlichen Metropolen, wie London, Berlin, New York und gab dem Osteuropa nach dem sozialistischen Zusammenbruch ein Gesicht, das von Tragik und Armut erzählt. Ich treffe Miron Zownir kurz vor der Ausstellungseröffnung „A story to tell“, die von den Schattenseiten der Großstädte, Outlaws und Verlorenen Seelen, von Orten menschlicher Ansammlung großer Dichte, handelt. „A story to tell“ ist eine gemeinsame Werkschau von Gregory Bojorquez, Joseph Rodriguez und Miron Zownir, die noch bis zum Sonntag in Berlin zu sehen ist. Miron Zownir trägt eine Sonnenbrille, wir laufen ein kleines Stück. Er hat an diesem Nachmittag eine leise Stimme, die Nachmittagssonne scheint, wir setzten uns auf eine Bierbank vor der Halle im ehemaligen Postamt, U-Bahnen fahren über die Straßenbrücke zum Gleisdreieck.

Warum haben Sie sich entschieden, Extremsituationen zu fotografieren. Momente, bei denen man normalerweise wegschaut?

Einer muss ja hingucken. Ich kann nicht so tun als ob ich blind wäre. Aber was sind Extremsituationen? Wenn jemand in der Öffentlichkeit verhungert, wenn sich jemand an Haken aufhängt, wenn jemand in einem Loch ohne fliesendes Wasser haust, wenn obdachlose Kinder für ihren Lebensunterhalt betteln müssen, wenn sich jemand Schmerzen zufügen muss, weil er sonst nichts fühlt. Das sind zum Teil völlig unterschiedliche Voraussetzungen. Das eine ist nur extrem, das andere tragisch. Natürlich suche ich die Situationen, die aber vorhanden sind und manchmal stolpert man einfach darüber. Warum soll etwas tabuisiert werden, nur weil es unangenehm ist? Ich bin kein Entertainer, ich bin ein Chronist von Situationen die weh tun. Ich persönlich habe auch nicht nur Schönheit gesehen. Ich habe neun Jahre in der Lower East Side gelebt. Ich kenne die Slums von L.A. und West Hollywood. Ich habe Menschen in meinem persönlichen Umfeld gekannt, die am Leben verzweifelt sind. Das interessiert mich mehr als Fashion, obwohl das natürlich lukrativer wäre.

Es sind Fotografien dabei (z.B. dokumentierter Toiletten-Sex), die voyeuristischen Charakter haben. Ist es wichtig, Intimgrenzen zu überschreiten oder andersrum: muss jegliche Form menschlichen Daseins visualisiert werden?

Das ist kein Voyeurismus. Ich verstecke mich ja nicht und lauere mit meiner Kamera und einem Teleobjektiv heimlich hinter einem Gebüsch. Ich bin wahrnehmbar, präsent, gehe Risiken ein. Bei dem Fick auf dem Klo bin ich hochgeklettert und habe einfach fotografiert. Fotografie ist ein indiskretes Medium und wer nicht zu weit geht, zensiert die Realität.

(Miron Zownir, NYC 1981 © Miron Zownir, courtesy Hardhita Gallery)

Warum beschäftigt Sie das Thema Armut und Haltlosigkeit?
Weil mit dem Gleichgewicht etwas nicht stimmen kann, wenn Millionen in Armut leben. Weil ich Mitgefühl für die Schwachen, Kranken und Entrechteten habe. Weil ich auf der Seite der Underdogs bin, auch wenn sie im Unrecht wären. Aber ich bin kein Weltverbesserer und ich habe auch kein Rezept für eine bessere Welt. Ich kann nicht so tun als wäre alles in Ordnung oder alles nur schlecht. Ich fotografiere und überlasse anderen die Interpretation. Die einen erkennen meine Empathie für die Schwachen oder meine Faszination für Rebellen und die anderen unterstellen mir Voyeurismus, Kälte oder Sensationslust.

Woher kommt das Interesse für Menschen, die anders sind oder über Grenzen gegangen sind?
Habe ich z. T. schon beantwortet. Ich gehe selber über Grenzen. Ich fotografiere, schreibe und mache Filme, die weit über die Toleranzen des Massenniveaus hinausgehen. Ich akzeptiere keine Tabus und finde es spannend, wenn Klischees gebrochen werden. Ich kann das nicht ins Allgemeine fassen. Jedes Foto hat seine eigene Story.

(Miron Zownir, NYC, 1982)

Oft sind Rohheit, Gewalt und Kälte, gerade bei den Moskauer Arbeiten, Themen, die ein dumpfes Gefühl beim Betrachter hinterlassen. Wie ist es als Fotograf?
Nach Moskau bin ich unter ganz anderen Voraussetzungen gefahren. Ich hatte den Auftrag, das Moskauer Nachtleben zu fotografieren, aber das kannte ich schon aus anderen Städten, das war völlig beliebig und austauschbar. Was auf den Straßen abging war die pure Verzweiflung. Ich habe zuvor noch nie so viele kaputte und hilflose Menschen gesehen. Es war für mich klar, dass ich den ursprünglichen Auftrag abbrechen würde und dieses unvorstellbare Leid dokumentieren musste. Das passte natürlich nicht zum offiziellen Moskauer Vorzeigeimage, was mir so manchen Ärger mit staatlichen Autoritäten eingebrockt hat. Ich habe jeden Tag dort als psychotischen Zustand erlebt, eine Form der absurden Hilflosigkeit. Hätte ich die Augen zugemacht, würden diese Dokumente nicht existieren. Aber ich hätte auch weniger Alpträume. Es ist nicht so, dass ich wie ein Roboter blind einem Auftrag folge. Meine persönlichen Empfindungen und Reaktion gehen manchmal schon über die Schmerzgrenze. Aber das muss ich hier nicht kolportieren.

Können Sie nach dem Fotografieren solcher extremen Zustände normal weitermachen?
Wie schafft man es, Leichen zu sezieren oder zu waschen? Das Leben ist kein Wunschkonzert. Man kann sich in normalen Bereichen bewegen oder man geht darüber hinaus und riskiert etwas. Ich lasse mich auf Höllentrips ein.

Haben Sie ein schönes Zuhause?
Schöner als auf der Straße zu wohnen.

Was fasziniert Sie an Großstädten?
Von denen habe ich langsam die Schnauze voll. Aber was heißt das? Vielleicht nur von Berlin. Ich mag Veränderungen.

(Miron Zownir, Berlin 1980 © Miron Zownir, courtesy Hardhita Gallery)

Bergen alle Großstädte den Moloch der Verrohung in sich, liegt es in der Natur des Menschen?
Es liegt am Menschen an sich und seiner Organisation. Was wollen sie? Was sind ihre Ideale? Wie werden sie manipuliert? Die Aasgeier dominieren. Die Großstadt ist die Arena, in der jeder mit jedem kämpft.

Fotografieren Sie auch Schönheit?
Nicht jeder, der im Dreck liegt, ist hässlich. Der kann auch seine Kicks und Highlights im Leben haben, die andere vielleicht nicht haben. Ich verallgemeinere nicht gerne, es gibt für alles Ausnahmen. Schönheit ist relativ.

(Miron Zownir, NYC, 1983)

Was hat Sie an Petersburg und Moskau interessiert?
Der Osten hat mich immer interessiert. Ich bin Halb-Ukrainer, leider habe ich nie die Sprache gelernt. Mein Vater ist damals vor Stalin geflohen. Mit dreizehn habe ich die ganzen Russen gelesen Dostojewski, Tolstoi, Gorki, Lermantow etc.. Die erste Faszination der Literatur, die Welt in der man sein konnte, bevor man überhaupt gereist ist, war ein imaginäres Rußland für mich. Aber die Realität war natürlich ganz anders.

Schauen Sie privat auch so genau hin?
Das ist unterschiedlich und stimmungsgebunden. Wenn ich mir um einen Menschen, der mir nahe steht Sorgen mache oder wenn ich deprimiert bin, dann fallen mir Menschen um mich herum auf, deren Anblick meinen Zustand übersensibilisiert. Das ist wie ein lauter Schrei oder ein Stich im Bauch. Wenn man hingegen gut gelaunt ist, schaut man nicht nach rechts oder nach links. Wenn ich z.B. schreibe und unterwegs bin um über etwas nachzudenken, dann bin ich sehr introvertiert. Worte sind sehr assoziativ. Ich arbeite dann mit Erinnerungen, da kann man sich nicht ablenken lassen, kann sich keine äußeren Eindrücke aufdrängen lassen. Ich bin auch nicht immer auf der Suche nach interessanten Figuren. Ich bin nicht rund um die Uhr Fotograf. Ich brauche auch Zeit für mich selbst und für andere Projekte. Aber ich habe immer eine eine kleine analog Kamera dabei. Oder meistens.

Was interessiert sie fotografisch an Berlin?
Klar kommen hier immer wieder Dinge auf einen zu, drängen sich förmlich auf mit 1000 Prozessionen etc. Es gibt maßlos viel zum Fotografieren, den CSD, die Tattoo Convention, aber alles im überschaubaren Rahmen. Die Ukraine fand ich zehnmal spannender. weil es eine fremde Welt für mich war. Wenn es um ein konkretes Sujet geht, ist Berlin okay und es verändert sich dauernd, es wird immer neue Interessante Ecken geben. Man hat nie alles gesehen. Sonst kann man gleich die Kamera einpacken und in Rente gehen.

Fotografieren Sie auch mal in Farbe?
Ich habe Filme in Farbe gedreht. Aber die wenigsten.

Was ist ein schöner Moment für Sie?
Den behalte ich für mich.

Merci, Miron Zownir!

A STORY TO TELL
BIS 28. SEPTEMBER 2014, 12.00- 19.00
(mit Werken von Gregory Bojorquez, Joseph Rodriguez und Miron Zownir)
Luckenwalder Straße 4- 6
10963 Berlin-Kreuzberg
www.mironzownir.com

(Quelle: waitamo.de)

SUNDAY IMPRESSION: BLACK MARKET

(“In America-Mura, Osaka”, Römer + Römer, oil on canvas, 2010)

Gestern bin ich am Hauptbahnhof ausgestiegen und wollte mir die Ausstellung „Sand in Vaseline“ von Black Market Berlin in der Lehrter Siebzehn ansehen. Eine 48 Stunden Ausstellung mit elf Künstlern, die Freitag-Nacht begann und am Sonntag in den Morgenstunden zu Ende ging. Ich mag es, wenn Ausstellungen eine kurze Dauer haben, ein Ticket, dass nicht lange gültig ist. Wenn man die Lehrter Straße hinunter läuft und die neuen Hotels, Kräne und Vierspurensystem hinter sich lässt, vorbei an Neubaublocks mit Cafeterias im Erdgeschoss, pegelt sich die Wahrnehmung wieder auf ein normales Niveau ein, Kinder fahren mit ihren Rädern vorbei, Wäsche hängt auf den Balkonen. In den Räumen der temporären Loft-Galerie flutet die Sonne über den Betonboden, es ist ein Nachmittag, die Bar aufgefüllt für die kommende Nacht, Klaviermusik, der Blick bis zum Nordhafen, ein paar junge Mädchen, die sich interessiert umschauen, viel Raum, das Gefühl, gerade an einen schönen Ort angekommen zu sein.

Die Arbeit von Eberhard Havekost zu Beginn, eine Terrasse auf dem Dach, die mich an Amerika erinnert und dass der Schatten die Kraft des Tages sein kann, wenn man bemerkt, dass um einen herum nicht viel passiert.

(Arbeit von Eberhard Havekost)

Auf eine Autofahrt haben mich die Bilder des schwedischen Malers Marcus Eek mitgenommen. Ich saß auf dem Rücksitz und konnte stundenlang aus dem Fenster sehen. Bäume, Flimmerlicht verschwimmen vor den Augen, das Blau des aufgehenden Tages oder ist es schon das Meer. Wenn man beschließt, alles hinter sich zu lassen, wieso reist man von links nach rechts? Verstecken sich Gesichter hinter Wolken?

(Arbeit von Marcus Eek)

Die Arbeiten des Künstlerpaares Römer + Römer mag ich sehr, wie „In America-Mura, Osaka“ (Titel). Der distanzierte Pixelschleier, der um die Mädchengruppe liegt und trotzdem ist ein Flashback in die eigene Jugend möglich, wenn man nach der Schule mit der Clique losgezogen ist, verdammt schick entsprechend der Möglichkeiten, um zusammen abzuhängen, Jungs zu treffen. Es könnte überall sein.

Der Künstler Olli Piippo, der aus Helsinki kommt und seit ein paar Jahren in Berlin wohnt, gehört zu den Machern von Black Market, denen es darum geht, Kunst mit Freude und Leichtigkeit zu zeigen. Dabei stehe die künstlerische Qualität im Vordergrund, Dinge, die sie lieben und genießen würden, wollen sie zeigen. Bereits zum dritten Mal haben sie den Black Market in der Lehrter Siebzehn veranstaltet. Waren aber auch schon mit Berliner Künstlern z.B. in Stockholm zu Gast. Um den Austausch würde es gehen, erzählt Olli Piippo. Oslo, Kopenhagen, Belgrad wären die nächsten Stationen. Belgrad habe ich mir gemerkt.

(Olli Piippo von Black Market)

(Quelle: waitamo.de)

DER NO-MAKE-UP LOOK

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Den wahrhaften No-Make-up Look kennen Frauen sowieso und beschäftigen sich damit, wenn sie nicht mehr allein aufwachen oder eben doch unvorbereitet beim Orangen Einkaufen über der Straßenkreuzung genau IHN sehen. Manche haben einen nude-farbenen Lipbalm in der Nachtschublade, um sich völlig natürlich vor dem angeblich ersten Aufwachen in den Träumen zu rekeln, andere haben eine Sonnenbrille und ein schnell gelöstes Zopfband.
Jetzt hat der Nude-Look das Beauty-Zepter mit dem einfachen Ziel ergriffen: ungeschminkt sehr schön auszusehen. Wimpern und Brauen scheinen unbehandelt und natürlich, eine kecke Müdigkeit zieht sich durch die Ausstrahlung, die Selbstbewusstsein und „ich schaue nicht auf die Uhr, wenn mich etwas interessiert“ signalisiert. Der Nude-Look hat seine Geburtsstunde definitiv in der Jugend, in steigenden Jahrzehnten benötigt man, wenn man nicht als blasses Synonym für Atemwegsbeschwerden gelten möchte, wahrscheinlich mehr Zeit als für ein Film-Noire Make-up: Foundation, Concealer, Wimpern filigran getuscht, auf keinen Fall die Spitzen, Noude-Rouge auf den Wangen und ganz ganz leicht getönte Lippen. Wenn dann die Freundin beim Kaffee fragt, warum man sich denn nicht geschminkt hätte, kann man ruhig antworten, weil gerade andere Sachen wichtiger waren.

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(marc jacobs, calvin klein, ralph lauren, new york, spring summer 15)

(Quelle: waitamo.de)

LONDON, REGEN & EIN FLÜCHTIGER BLICK: London, ich erinnere mich, Hektik beim Hasten in den Gängen der Underground, das Gefühl in einer großartigen Stadt zu leben, Zeit eine Frage der Einstellung, sich darüber wundern, dass Männer einen den Vortritt lassen, Musik. Schwere Regentropen auf den Blättern des Victoria-Parks, nasse Kieselsteine, ein Moment noch bis sich der Himmel klärt, ein Duft von Geranienblättern, goldener Quitte und Wicke, british tea in Aussicht, eine Verabredung vielleicht, schnell nach Hause laufen im Trenchcoat, ein flüchtiger Blick durch die nassen Haarsträhnen: Hey du, ich hab dich gesehen.
(Duft: My Burberry)

LONDON, REGEN & EIN FLÜCHTIGER BLICK: London, ich erinnere mich, Hektik beim Hasten in den Gängen der Underground, das Gefühl in einer großartigen Stadt zu leben, Zeit eine Frage der Einstellung, sich darüber wundern, dass Männer einen den Vortritt lassen, Musik. Schwere Regentropen auf den Blättern des Victoria-Parks, nasse Kieselsteine, ein Moment noch bis sich der Himmel klärt, ein Duft von Geranienblättern, goldener Quitte und Wicke, british tea in Aussicht, eine Verabredung vielleicht, schnell nach Hause laufen im Trenchcoat, ein flüchtiger Blick durch die nassen Haarsträhnen: Hey du, ich hab dich gesehen.

(Duft: My Burberry)

(Quelle: waitamo.de)

GREG GORMAN: PORTRAITS

Der amerikanische Fotograf Greg Gorman selbst bezeichnet seiner Porträts, die seit Freitag in der Berliner Galerie Hiltawsky gezeigt werden, als klassische Arbeiten aus den 80ern. So gehören die über 30 Porträtierten, wie Johnny Depp, Tom Waits, David Bowie, Jeff Bridges, Michael Jackson oder Sharon Stone auch einer vergangenen Zeit an, wirken in großen Formaten und sichtbaren Nah-Details im inszenierten Spiel von Licht und Schatten, Statik und Bewegung sehr nah und dennoch fern.

(Winona Ryder, Los Angeles 1981© Greg Gorman, courtesy galerie hiltawsky)

Kim Basinger auf dem Zenit ihrer Karriere und ihr scheinbar flüchtig eingefangener Schulterblick stehen im Kontrast zur körperlichen Präsenz von Iman, die vom gigantisch wallenden Haar bis zu Gänsehaut auf den Brüsten eine dominante Magie ausübt.

Der junge Leonardo DiCaprio irritiert mich in Anbetracht dessen, wie die Zeit vergeht, ein Phänomen, das oft bei gleichen Jahrgängen zu beobachten ist.

Den Mythen Marlon Brando und Robert De Niro, die mit entspanntem Gesichtsausdruck auf das illustre Galerie-Publikum schauen, scheinen vergehende Jahre nichts anzuhaben.

Es macht Spass zwischen den großen Abzügen auf die Idole seiner Jugend zu schauen. Ich frage Greg Gorman, ob er die Menschen, die er mal porträtiert hat, anders in Erinnerung behalten würde. “Ja, manchmal.“, sagt er, würde er sie wie durch ein anderes Fenster sehen, gerade, wenn er sie nach einiger Zeit wieder treffen würde.

GREG GORMAN: PORTRAITS
BIS 19. NOVEMBER 2014
Galerie Hiltawsksy
Mi- Sa: 14.00- 18.00
Tucholskystrasse 41
10117 Berlin-Mitte

(Quelle: waitamo.de)

SUNDAY IMPRESSION: Wenn Kilometer zwischen unseren Stimmen liegen, Berührungen ein Spiel der Erinnerung sind, der Regen den Sonntag in eine Schublade drängt, Kissen auf dem Sofa den Geruch des Sommers als Muster haben, Zeitung raschelt im Feuilleton, Sarah Vaughan von der Reise zum Mond singt, dann schließe ich die Augen und träume weiter…

SUNDAY IMPRESSION: Wenn Kilometer zwischen unseren Stimmen liegen, Berührungen ein Spiel der Erinnerung sind, der Regen den Sonntag in eine Schublade drängt, Kissen auf dem Sofa den Geruch des Sommers als Muster haben, Zeitung raschelt im Feuilleton, Sarah Vaughan von der Reise zum Mond singt, dann schließe ich die Augen und träume weiter…

(Quelle: waitamo.de)