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Wait A MO by Tanja Nedwig
Momente aus Fashion, Lifestyle und Kunst. Begegnungen in Berlin und woanders.
SUNDAY IMPRESSION: Einer aufgerissenen Wolke gleich, zog es den Sommer für einen Tag zurück, die Erde kühl im Park, Wärme auf sonnenvergessener Haut, das Licht besonders, wenn jemand geht, warum rannen manche Tage im August vorbei, ohne den Zauber zu sehen, normal, wenn es im Kalender steht, die Farben der Blätter im Zenit, Duft ein Gedanke an die Vorfreude im Mai, friedlich die Stadt, Nachmittag spät, Vorhänge aufmüpfig durch das Zimmer wehen, Lichtschatten, glaubte das Autorauschen sei das Meer, wie einfach es ist…

SUNDAY IMPRESSION: Einer aufgerissenen Wolke gleich, zog es den Sommer für einen Tag zurück, die Erde kühl im Park, Wärme auf sonnenvergessener Haut, das Licht besonders, wenn jemand geht, warum rannen manche Tage im August vorbei, ohne den Zauber zu sehen, normal, wenn es im Kalender steht, die Farben der Blätter im Zenit, Duft ein Gedanke an die Vorfreude im Mai, friedlich die Stadt, Nachmittag spät, Vorhänge aufmüpfig durch das Zimmer wehen, Lichtschatten, glaubte das Autorauschen sei das Meer, wie einfach es ist…

(Quelle: waitamo.de)

MONAT DER FOTOGRAFIE BERLIN: LOS GEHTS!

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(anna charlotte schmid, aus der serie: the other side of venus”, budapest 2012)

Es ist ein Festival der Superlative, was aus fotografischem Blickwinkel aktuell in Berlin geboten wird. Gestern wurde der Monat der Fotografie im Martin-Gropius-Bau eröffnet, Gäste und Zuschauer strömten in Scharen zu der abendfüllenden Veranstaltung und lassen ahnen, dass im digitalen Zeitalter, wir alle fotografieren privat & alltäglich, das Interesse am künstlerischen Aspekt sehr hoch ist. 500 Fotografen und Fotografinnen beteiligen sich an diesem Festival, an über 125 Berliner Orten mit über 250 Veranstaltungen.
Von etablierten Häusern, wie die C/O Berlin mit seinem Grand Opening am 30.Oktober über Galerien und Bars, Hotels z.B. das Savoy, Kulturinstitute oder Botschaften, wie die Irische öffnen ihre Türen für interessierte Blicke. Unter der Thematik: „Umbrüche und Utopien. Das andere Europa.“ sind Vergangenheit und Gegenwart möglich, Osten und Westen, genauso wie bis ins Detail inszenierte Effekt-Aufnahmen und experimentelles Chaos. Einen tollen sensitiven Guide bietet die website des Veranstalters, die auf der Startseite mit Fotografien ohne Inforationen, wer, wann, wo, wie, warum arbeitet. Rein intuitiv nach visuellem Gusto klickte ich auf die Fotos, die sich dann umdrehen und genauer informieren. Spontan steht jetzt auf meinem Programm: die Fotoschule Ostkreuz, heute Abend ist die Eröffnung der Ausstellung „Achtens“, das italienische Kulturinstitut mit „Die Zukunft der Metropolis“ oder die Fotografien von der Zeit vor dem Berliner Mauerfall des Amerikaners Will McBride: „Ich war verliebt in diese Stadt” in der C/O Berlin.

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(will mcbride: strandbad wannsee, courtesy c/o berlin)

Gestern Abend haben mich die Arbeiten von Anna Charlotte Schmid von der Serie „The other side of venus“ (siehe Titel) fasziniert, die 2012 in Budapest entstanden ist. Eine Kopplung von Verfall und Jugendstil, Rebellion & Grenzen, eingefangenem Licht zwischen Lamellen und Vorhängen, Staub auf stummen Haustelefonen, portablen Heizkörpern und durchbohrenden Blicken.
Und natürlich Andreas Mühe mit der Serie „Obersalzberg“ (2012) einer perfekten Inszenierung von Größenwahn und Spiel mit alten Symbolen. Manchmal denke ich, es ist ein Relikt, der im Osten geborenen, damit zu provozieren, was es in über vierzig DDR-Jahren angeblich nicht gab. Aber es scheint immer wieder zu gelingen.

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(andreas mühe, soldat am obersee, serie obersalzberg, 2012, courtesy carlier/ gebauer, vg bildkunst, bonn 2014)

Ich freue mich auf die 30 Tage….

6. EUROPÄISCHER MONAT DER FOTOGRAFIE BERLIN
16. Oktober- 16. November 2014
www.mdf-berlin.de

(Quelle: waitamo.de)

BERLIN: INTERNATIONAL ESMOD FASHION SHOW

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(Rami Kadi)

Eine Reise durch die internationale Welt der Mode, verschiedene Möglichkeiten von Schönheit, Luxus- oder Alltagsverständnis, inspiriert von Kontinenten, Kulturen, nordischem Minimalismus oder opulentem fernöstlichen Glamour, französisch laszivem Stil oder Berliner Avantgarde: auf der internationalen ESMOD Fashion Show zeigten gestern zehn Designer, die ehemals an unterschiedlichen ESMOD Schulen weltweit ihren Abschluss gemacht haben, ihre Kollektionen in den Ludwig Loewe Höfen in Moabit .

Die Wienerin Marina Hoermanseder, die an der ESMOD Berlin studiert hat, eröffnet die Show: Eine provokante Kombination von Fetisch-Elementen, Bandagen, orthopädischen Looks und Leder-Bustiers, die mit Zartheit durch pastellige Farben, seidige Blusen und aparte Shorts mit prägnanten Reißverschlüssen zurück schwingt, selbstbewusstes Erscheinen und dessen Ausgang offen lässt.

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(Marina Hoermanseder SS15)

Augustin Teboul (ESMOD Paris), das in Berlin lebende Designerduo um die Französin Odély Teboul und der Deutschen Annelie Augustin, stellen raue Leder-Looks filigranen Lochmuster-Bodys gegenüber, die an das Spiel der schwarzen Witwe erinnern, Swarovski Kristalle schillern, Lederjacken-Schultern im Reptilien Panzer, schwingende schwarze Fransen, sexy und dunkel.

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(Augustin Teboul SS15)

Sehr entspannend mit leicht fallenden Stoffen, zeigt VANESSAMORIN (ESMOD München), dass in natürlicher Schönheit viel Anmut liegt: Kleider mit tiefen Rückenausschnitten und zufällig wirkenden Dekoltees, Kimono Blusen & Oversize Sommerstrickjacken.

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(Vanessamorin)

Ein ironische Inszenierung zum Zustand unserer Welt präsentiert das Label Chloma (ESMOD Tokyo): Mit Mund- & Schuhschutz, riesigen und praktisch wirkenden Kapuzenjacken, Kleider, die zu jeder Tag- und Nachtzeit getragen werden können, Anzüge die unisex wirken mit Print-Adaptionen aus der digitalen Welt verstärken meine Tokioter Vorstellungen.

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(Chloma)

Ganz schön lässig und taff zeigt Black Rat (ESMOD Oslo), wie man seinen durchtrainierten Körper auf Festivals, Konzerten und Alltagstreffen zur Schau stellen kann. Großartig die langen Overknees-Strümpfe zu kurzen Shorts und Sweatern mit glitzernd apokalyptischen Zeichen.

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(Black Rat SS15)

Begeistert war ich von der wunderbaren Verbindung Pariser Stils inspiriert vom Viertel Le Marais & Farbpalette pastelliger Macarons mit der brasilianischen Lockerheit des Designers Lorran Augusto (ESMOD São Paolo). Adrette Wickelröcke, cremefarbene Kostüme und Etui-Kleider, Bluson-Jäckchen mit geometrischen Bündchen zu Rüschen-Röcken. Toll die Basecaps mit Platz für lange Zöpfe und hochgesteckte Dutts und Schmetterlings-Aplikationen auf Handtaschen.

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(Lorran Augusto)

Die Frau als schillernde Femme Fatale in sehr weiblicher Abend-Couture mit goldenem Accessoire Prunk und Ornamenten-Spiel präsentierte Ali Karoui mit seinem Label Karoui Luxury Fashion (ESMOD Tunis).

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(Karoui Luxury Fashion)

Abseits gängiger zeitgenössischer Silhouetten zeigt Mel Ahyar (ESMOD Jakarta) ausgestellte Kleider, mit Göttern, Blumen und Schmetterlingen, Über- und Unterkleidern, Harlekinen, transferierten & transparenten Rokoko-Elementen.

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(Mel Ahyar SS15)

Mein Highlight am Ende der Show der Designer Rami Kadi (ESMOD Beirut), der mit seiner zweiten Kollektion „Un Souffle d´Orient“ eine Pracht aus 1000und einer Nacht gezähmt in geometrischen Flächen zur Schau stellt. So schimmern florale Stickereien zu Pelz besetzten Röcken, die an Prinzessinnen erinnern, die zum ersten mal eine Ausflug in die Welt des Schnees, ins Unbekannte wagen.

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(Designer Rami Kadi beim Finale)

photos © hannes hametner

(Quelle: waitamo.de)

HOCHGESCHLOSSENES REPERTOIRE: ROLLIS

An dem Klassiker, dem Rollkragenpullover können gerade alle Facetten des Mode-möglichen ausprobiert werden. Natürlich ist und bleibt der Rollkragen in existenzieller, schwarzer knapper Form ein Merkmal der Minimalisten mit künstlerischer Orientierung unter dem Jacket. Doch avanciert er in existenzieller Ausführung zum Gegenspiel ansonsten sehr ausgefallener Outfits. So wird er anstelle von Blusen zu Tweed-Kostüme kombiniert, macht mit Spitzen-Stickerein am Kragen weitere Accessoire überflüssig, ist Zeichen akzentuierter Eleganz mit Minikrägen zu kecken Sixtie-Looks. Von enganliegend bis zum Kuschelfreund in XXL-Format sind den Ausführungen kaum Grenzen gesetzt. Streifen, Karos, Muster und tolle Materialien machen den Rolli zu dem was er ist, ein Basic im Kleiderschrank und in der Ärmellos-Variante & leichtem Sommerstrick zugleich ein schöner Ausblick ins neue Jahr.

(Quelle: waitamo.de)

SUNDAY IMPRESSION: „Eigentlich kann man sich gar nicht mehr erinnern, was man so erlebt hat im Leben. Ob man nun im Ferienlager war oder nicht. Mit welcher Fähre man über die Ostsee geschupppert ist oder war es doch ein Motorboot in Bulgarien und die hatten keine Kotztüten dabei. Alles immer schön rin ins Wasser. Völkerball haben wir natürlich auch gespielt. Man ist so wie man ist, wahrscheinlich gerade deshalb weil einem der Bekloppte aus der Parallelklasse den Ball von an den Kopf gehauen hat. Unsere Mannschaft hatte immer die gelben Hemden an. Hat noch schön nach dem Schweiß von der Klasse vorher gerochen. Und dann kommst du zufällig an so einer Stelle vorbei, läufst über so einen verlassenen Schulhof am Sonntag. Da läufst du durch den Hortsandkasten und sitzt auf einmal wieder wie in der ersten Klasse auf der Schaukel, wo man sein erstes Thälmannabzeichen verloren hat. Was geht einen so ein Scheiß Abzeichen an. Aber genau auf der Schaukel willst du dich in den Sand schmeißen und willst das Abzeichen suchen. Das ist Heimat.”
(Max, In: “Und, haust du ab?“, Manuskript, Tanja Nedwig)

SUNDAY IMPRESSION: „Eigentlich kann man sich gar nicht mehr erinnern, was man so erlebt hat im Leben. Ob man nun im Ferienlager war oder nicht. Mit welcher Fähre man über die Ostsee geschupppert ist oder war es doch ein Motorboot in Bulgarien und die hatten keine Kotztüten dabei. Alles immer schön rin ins Wasser. Völkerball haben wir natürlich auch gespielt. Man ist so wie man ist, wahrscheinlich gerade deshalb weil einem der Bekloppte aus der Parallelklasse den Ball von an den Kopf gehauen hat. Unsere Mannschaft hatte immer die gelben Hemden an. Hat noch schön nach dem Schweiß von der Klasse vorher gerochen. Und dann kommst du zufällig an so einer Stelle vorbei, läufst über so einen verlassenen Schulhof am Sonntag. Da läufst du durch den Hortsandkasten und sitzt auf einmal wieder wie in der ersten Klasse auf der Schaukel, wo man sein erstes Thälmannabzeichen verloren hat. Was geht einen so ein Scheiß Abzeichen an. Aber genau auf der Schaukel willst du dich in den Sand schmeißen und willst das Abzeichen suchen. Das ist Heimat.”

(Max, In: “Und, haust du ab?“, Manuskript, Tanja Nedwig)

(Quelle: waitamo.de)

SONIA SZOSTAK: “LONGBOARDS, TATTOOS AND A JOURNEY TO MARS“ IM „NO WODKA“

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(life on mars, 2011 © sonia szóstak)

Die junge polnische Fotografin Sonia Szóstak hat eine Bildsprache, die faszinierend und filmisch ist, neben perfekten Inszenierungen, wie zufällig beobachtet, fast dokumentarisch wirkt. Ab Samstag, ist ihre Einzelausstellung „Longboards, tattoos and a journey to Mars“ im „No Wódka“ zu sehen. Ich hatte heute Nachmittag schon die Möglichkeit, Sonia Szóstak im „No Wódka“, dem Concept Store, der sich der zeitgenössischen polnischen Design- & Kunstszene verschrieben hat, zu treffen. Ich bin fasziniert von ihrer herzlichen Offenheit und gleichzeitigen fast mädchenhaften Aufgeregtheit, obwohl sie bereits für internationale Magazine wie Vogue, Ozon oder Blink arbeitet.

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(sonia szóstak im “no wódka”  © tanja nedwig)

Die Art von Sonia Szóstak zu fotografieren ist unkonventionell, ein neuer Blick der Jugend, außerhalb gewohnter Sichtweisen. Ich glaube außerdem, dass die Besonderheit ihrer Arbeiten zum Teil darin liegt, wie sie Frauen fotografiert, die teilweise nackt aber völlig entspannt wirken. Es ist der Blick einer Freundin. So verwundert es nicht, als sie erzählt, dass sie ihre Diplomarbeit zu dem Thema: „Wie Frauen Frauen fotografieren“ schreiben wird. Sie denke da nur an Annie Leibovitz und Susan Sontag.

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(longboard girl II, 2012 © sonia szóstak, courtesy sonia szóstak + no wódka)

Ich persönlich sehe die Fotos von Sonia Szóstak, wie durch einen Schleier, durch den man in ein Land der Träume gehen könnte und werde dabei an die Filme von David Lynch erinnert. Ich frage Sonia Szóstak, ob sie eine Träumerin ist. „Natürlich.“, sagt sie, ist sie immer auf der Suche nach dem besonderen Moment und lässt sich dabei sehr von der Malerei und Film inspirieren. Sie meint, dass der filmische Ausdruck ihrer Arbeiten vielleicht auch daher kommt, dass sie an der Filmhochschule studiert hat. „Beim Filmen denkt man anders, als beim Fotografieren“ und sagt weiter, dass es beim Filmen mehr um Gefühle gehen würde.

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(silent, 2011 © sonia szóstak, courtesy sonia szóstak + no wódka)

Sonia Szóstak erzählt, dass die Models am Set oft Instruktionen von ihr erwarten würden, sie aber eigentlich will, dass sie sie selbst seien. Darum fotografiert sie gern Leute, die sie kennt. So sind auf ihren Arbeiten ab und an die gleichen Gesichter in verschiedenen Sujets zu sehen. Sonia Szóstak ist inspiriert davon, länger mit den gleichen Menschen zusammenzuarbeiten, eine Art Dokumentation würde dabei entstehen, weil man nicht mehr über die Arbeit nachdenken würde. So sind es oft Freunde, die sie fotografiert und Leute, die sie spontan auf der Straße anspricht. Aus dieser Herangehensweise sind viele ihrer Serien entstanden.

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(paulina II © sonia szóstak, courtesy sonia szóstak + no wódka)

Die Arbeit für Magazine findet sie oft zu künstlich. Model-Posing mag sie nicht. Auf meine Frage, ob das Mädchen von der unglaublichen Serie „Life on Mars“ (Mit Fingerzeig auf David Bowie) auch eine Freundin von ihr wäre, lacht Sonia Szóstak. „Nein, das ist Maja Salamon und jetzt ein Supermodel. Aber damals vor vier Jahren als das Foto entstand, war sie noch ein ganz neues Gesicht.“

Der ursprüngliche Traum von Sonia Szóstak war es, Kunst zu studieren. Ihre Liebe zur Malerei setzt sie nun in der Fotografie mit klassischen Porträts wie „Homage to Vermeer“ um. Ein Bild, bei dem man, wenn man davor steht, eine unglaubliche Tiefen-Reise in die Farbe des Violett machen kann.

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(homage to vermeer, 2012 © sonia szóstak, courtesy sonia szóstak + no wódka)

Ich wollte wissen, warum sie Menschen in der Natur so gern nackt fotografiert. Sie erzählt, dass sie mit verrückten Freunden studiert hat. Als ihnen einmal total langweilig war, rannten sie ebend nackt durch die Gegend, in den Wald. Sonia Szóstak findet dieses junge Gefühl toll. Deswegen gibt es auch eine Arbeit auf der sie selbst auf einem Waldweg liegt. Sie schwärmt von dem Gefühl, über die Wiese zu rennen, herum zuspringen, es sei schön und romantisch und erinnere sie an Antonionis Film „Zabriskie point“, wo sich alle im Sand der Berge küssen.

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(untitled II, 2011 © sonia szóstak, courtesy sonia szóstak + no wódka)

Die Stettinerin Sonia Szóstak ist erst vor einer Woche in Berlin angekommen und hat vor, hier eine Weile zu bleiben, obwohl ihre Agentur in Mailand sitzt. Aber irgendwann sagt sie, träumt sie davon, ganz in Italien zu leben. Für ihre Zeit in Berlin hat sie schon eine Menge Ideen für neue Arbeiten. Sie schaut auch hier auf den Straßen nach Leuten und erzählt, dass sie gerade für das Rolling Stone Magazin eine Dokumentation fotografiert hat. Sonia Szóstak lacht, als sie erzählt, wie sie als Polin an der Warschauer Brücke stand und viele Leute angesprochen und kennengelernt hat, dabei zu tollen Partys eingeladen wurde und spannende Orte gesehen hat, wie und wo man leben kann: „Thank you Berlin“, lacht sie wieder.

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SONIA SZÓSTAK: LONGBOARDS, TATTOOS AND A JOURNEY TO MARS
ERÖFFNUNG: SAMSTAG, 11.OKTOBER 2014, 19.00

Ausstellung bis 29. NOVEMBER 2014
NO WÓDKA Concept Store
Mo- Sa: 11.00- 19.00
Pappelallee 10
10437 Berlin-Prenzlauer Berg

www.nowodka.com

www.soniaszostak.com

(Quelle: waitamo.de)

KLEINE RITUALE: Manchmal verbringt man Tage und Jahre zusammen, bemerkt beim kurzen Innehalten, dass Glück in den Momenten war, die von Montag bis Freitag beim Zurufen zwischen Tür und Angel fast vergessen schienen. Rituale bedeuten mir viel, besonders wenn Veränderungen anstehen. So stecke ich mir jeden Morgen die kleinen Creolen an, die schon über ein Jahrzehnt alt sind. Winzige Abdrücke von Milchzähnchen sind auf ihnen, von den Kindern, als ich sie noch auf dem Arm tragen konnte. Ich denke dann kurz zurück, bin irritiert, wie die Zeit vergeht, wo eine Minute doch so lang sein kann und froh, dass manche Dinge bleiben.

KLEINE RITUALE: Manchmal verbringt man Tage und Jahre zusammen, bemerkt beim kurzen Innehalten, dass Glück in den Momenten war, die von Montag bis Freitag beim Zurufen zwischen Tür und Angel fast vergessen schienen. Rituale bedeuten mir viel, besonders wenn Veränderungen anstehen. So stecke ich mir jeden Morgen die kleinen Creolen an, die schon über ein Jahrzehnt alt sind. Winzige Abdrücke von Milchzähnchen sind auf ihnen, von den Kindern, als ich sie noch auf dem Arm tragen konnte. Ich denke dann kurz zurück, bin irritiert, wie die Zeit vergeht, wo eine Minute doch so lang sein kann und froh, dass manche Dinge bleiben.

(Quelle: waitamo.de)

VON DECKEN, PONCHOS UND DER MOEGLICHKEIT PFERDE ZU STEHLEN

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Hocherfreut war ich in jungen Jahren nicht, wenn ein Junge, den ich mochte über mich erzählte, mit der kannst du Pferde stehlen gehen, um im gleichen Atemzug zu verkünden, dass er jetzt mit (an Namen kann ich mich nicht erinnern) geht. Aber ich mag schon immer die großen Decken aus Wolle und Kaschmir, die gerade ihren Zenit in Form von Ponchos, Capes & asymmetrischen Oversize-Strickjacken erleben. Sie sind treue Begleiter, die man auch gut gebrauchen kann, wenn man unterwegs ist, um bei den alltäglich vorbeigaloppierenden Schönheiten für sich und andere zuzugreifen, unkompliziert zu reisen und zu genießen. Wunderbar vielseitig sind diese großen Deckentücher, die man über Rollis, Blusen und Tweed-Kostüme tragen kann, im Zug nach Prag als Decke für die Nacht oder im herbstlichen Park, um die Oktobersonne zu bewundern, als Kopfkissen im Flugzeug, wenn man alleine am Schreibtisch sitzt und wärmenden Beistand mag, als Schutz vor zu neugierigen Blicken, wenn man im leichten Hauch von “Heute Abend habe ich mich schick gemacht” Ecke Schönhauser nach einem Taxi schnippst. Sie haben etwas natürlich Schönes und sind auch für den besten Freund oder Freundin groß genug.

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(burberry, allude, burberry, stella mccartney, AW14/15)

(Quelle: waitamo.de)

SUNDAY IMPRESSION: Eine Piazza, wie sie neu sind, in der Stadt, Glasdächer zum Himmel nah, Menschen wie Tauben auf den Rolltreppen gurren hinauf zu Essensduft und Schaufensterschein, Mosaiksteine auf den Böden, das Plätschern eines Brunnens im Gehör aus Italien im Urlaub war`s, die Luft voll mit Stimmen und Gerüchen neuer Ware und Flyerflug, Zitate großer Männer im Marmorboden, das Schlendern wünscht ich mir aus ferner Zeit, ich frage mich, ist es pure Neugier oder Existenz, ach ich bin keine Freundin von malls, auf dem Fahrrad nach Hause über die Friedrichstraße, der Wind weht frisch, den Rücken strecke ich durch, halte meine Hand am Fahrradkorb fest, schließe die Augen, erinnere mich an einen Song von Townes Van Zandt: …Living on the road my friend Was gonna keep you free and clean Now you wear your skin like iron Your breath’s as hard as kerosene You weren’t your mama’s only boy But her favorite one it seems She began to cry when you said goodbye And sank into your dreams… (Pancho And Lefty, Townes Van Zandt, 1972)

SUNDAY IMPRESSION: Eine Piazza, wie sie neu sind, in der Stadt, Glasdächer zum Himmel nah, Menschen wie Tauben auf den Rolltreppen gurren hinauf zu Essensduft und Schaufensterschein, Mosaiksteine auf den Böden, das Plätschern eines Brunnens im Gehör aus Italien im Urlaub war`s, die Luft voll mit Stimmen und Gerüchen neuer Ware und Flyerflug, Zitate großer Männer im Marmorboden, das Schlendern wünscht ich mir aus ferner Zeit, ich frage mich, ist es pure Neugier oder Existenz, ach ich bin keine Freundin von malls, auf dem Fahrrad nach Hause über die Friedrichstraße, der Wind weht frisch, den Rücken strecke ich durch, halte meine Hand am Fahrradkorb fest, schließe die Augen, erinnere mich an einen Song von Townes Van Zandt:
…Living on the road my friend
Was gonna keep you free and clean
Now you wear your skin like iron
Your breath’s as hard as kerosene
You weren’t your mama’s only boy
But her favorite one it seems
She began to cry when you said goodbye
And sank into your dreams… (Pancho And Lefty, Townes Van Zandt, 1972)

(Quelle: waitamo.de)

OLIVER RATH: BERLIN BOHEME

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Bohème ein Zugehörigkeitskreis, der nicht ein Leben lang erreichbar erscheint. Den ersten Espresso gegen Mittag, einen Spaziergang der frischen Gedanken wegen unter U-Bahnbögen oder Baumkronen, Briefwechsel traditionell oder medial, Kopfschmerzen beim Aufwachen und Erinnerungslücken, Zigaretten, Kunst mal “echt” oder gewünscht, dass Andere das auch so sehen, aber wann bitteschön, Geld in einem Koffer, Minus in Monatsintervallen, Tango halbnackt oder völlig, Drogen, Musik, endloses Atmen, ganz schnell noch einen Drink, Gelächter, ach es war doch schön, oder? Tageslicht, Schönheit und berechtigter Zweifel, weil  Zeit vergeht…

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(berlin bohème © oliver rath)

Der Fotograf Oliver Rath hat parallel existierende Welten von Tag und Nacht, Erfolg und Wunsch, Verzweiflung und Sex, Jugend und Berliner Ankommen, Stille und Drogenrausch, zahnlose Münder und Silikon, Fetisch und viele Frauen, ob auf dem S-Bahnhof, auf Berliner Dächern, an, auf, unter  Küchenspülen- oder Herden, auf Musikboxen fotografiert.

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(unsatisfied, berlin bohème © oliver rath)

Mit einer dem Titel entsprechenden Party hat Oliver Rath vor zwei Tagen seinen Bildband „Berlin Bohème“ in der Humboldt-Box am Schlossplatz vorgestellt.

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(book launch berlin bohème & ausstellungseröffnung in der humboldt-box, micaela schäfer & ihr auftritt)

Der Autodidakt Oliver Rath, der über sich sagt: „Fotografie interessierte mich nur aus einem Grund, weil ich sie Scheisse fand.“, ist ein Meister der Inszenierung vom grellen Party-Exzess, immer mit subtilem Humor,  bis zur stehengebliebenen Zeit.

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(oliver rath)

Ich mag seine etwas leiseren Bilder, vielleicht die nach dem Aufwachen einer nicht im Gedächtnis bleibenden Nacht, beim Rauchen einer Zigarette auf dem Balkon, schnell noch ein Selbstporträt vor dem Ausgehen machen, die Morgen-Gymnastik neben dem Bett.

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(kater warm up, berlin bohème © oliver rath)

Fotos auf denen die Porträtierten meist allein sind, mit ihrem Humor, ihren Ängsten und Willen. Das Karussell dreht sich weiter, greller, schneller….

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(klaus lemke, berlin bohème © oliver rath)

Ein großartiges Buch und eine schöne Ausstellung, die noch bis zum Sonntag in der Humboldt-Box zu sehen ist.

OLIVER RATH: BERLIN BOHÈME
Ausstellung bis Sonntag, 5. Oktober 2014, 10.00- 19.00
Humboldt-Box
Schloßplatz 5
10178 Berlin-Mitte

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(Berlin Bohème, Bildband, 192 Seiten, Edition Skyline)

www.rath-photographie.de