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Wait A MO by Tanja Nedwig
Momente aus Fashion, Lifestyle und Kunst. Begegnungen in Berlin und woanders.

A MOMENT WITH: MARCO REITER VON SCAROSSO

Scarosso ist ein Startup Unternehmen, dass den Schuhmarkt mit Kollektionen, vom Mailänder Esprit inspiriert, neu gestalten will. Liberated Luxury ist dabei der Slogan, heißt italienische handgefertigte Lederschuhe, ob auf Maß oder selbst auf der Scarosso Homepage designt, zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Ich freue mich auf das Gespräch mit Marco Reiter, einer der Gründer und erst 28 Jahre alt, denn natürlich liebe ich Schuhe und bin fasziniert von unternehmerischem Mut. Wir haben uns im Scarosso Office in der Oranienburger Straße verabredet, vis-à-vis einem der drei Berliner Scarosso Stores. Oxfords, Chelseas, Loafers, Ballerinas und natürlich spitz zulaufende Highheels im Farb- & Mustermix mit Fesselriemchen gehören zum elegant klassischen Repertoire der Sommer-Kollektion.

Im Scarosso Office arbeitet ein junges Team, Arbeitsplatz an Arbeitsplatz, Englisch schwirrt ab und an durch die Luft, Klacken der Tastaturen, eine geschäftige und gleichzeitig angenehme Atmosphäre. Marco sitzt inmitten seines Teams, winkt mir zu, er muss noch eine Mail beantworten, bevor wir uns in der kleinen Küche bei einem Glas Wasser unterhalten.

Wie kommt man auf die Idee ein Schuh-Label in Berlin zu gründen?

Wir, Moritz Offeney und ich, haben Scarosso schon 2010 während des Wirtschaftsstudiums als Uni-Projekt in Mailand gegründet. Zwei Jahre später sind wir nach Berlin gegangen, wegen der Investoren, den interessanten Leuten und der Berliner Startup Szene. Hier ist es einfacher als woanders.

Und warum hebt man beim Studium ein Schuh-Label aus der Taufe?

Für ein Uni-Projekt sollten wir einen Businessplan unserer Wahl erstellen. Das war okay, aber für uns zu langweilig. Also haben wir den Plan in die Realität umgesetzt, eine GmbH gegründet, eine Kollektion entworfen und haben sie produziert und dabei jeden Schritt dokumentiert. Am Anfang war es ein Nebenprojekt. Als ich 2010 mit der Uni fertig war, habe ich andere Jobs gemacht, eine Weile in Mailand gelebt, aber immer leidenschaftlich weiter für Scarosso gearbeitet. Im Herbst 2011 haben wir mit Investoren gesprochen und im Februar 2012 wurde es ernst. Wir sind mit Scarosso nach Berlin gegangen.

Was verbirgt sich hinter dem Namen Scarosso?

Bei dem Namen haben wir lange hin und her überlegt. Natürlich sollte er italienisch klingen. Wir haben sogar das Telefonbuch rauf und runter gelesen auf der Suche nach einer Idee. Der Name sollte etwas bedeuten. Dann haben wir an Milka gedacht, dass sich aus Milch und Kakao zusammen setzt und überlegt, was wir machen können. Schuhe heißt auf italienisch Scarpa und Rot ist Rosso: Scarosso. 

Kommst Du aus Italien?

Ich bin Halbitaliener. Aufgewachsen bin ich in Wien, studiert habe ich in Mailand.

Hast Du familiär einen modischen Hintergrund?

Nein, aber ich habe mich schon immer für Mode interessiert. In Mailand habe ich die hochqualitativ handgemachten Schuhe gesehen, die man für z.B. 150€ haben kann. Warum soll man hier dafür das Doppelte zahlen? Wir von Scarosso sind kein klassisches Unternehmen mit Zwischenhändlern usw., die Marge fällt in der Kalkulation weg, dadurch können wir ganz andere Preise anbieten.

Wie hat Deine Familie auf Euer Vorhaben reagiert?

Meine Mutter fand das cool und witzig, hatte aber, ähnlich wie wir am Anfang, keine Vorstellung von den Dimensionen. Mein älterer Bruder, der selber ein großes Unternehmen aufgebaut hat, meinte ich solle erst mal woanders arbeiten und Erfahrungen sammeln, bevor ich selber etwas mache. Das war nicht leicht, aber jetzt ist er stolz. Wir sind stur geblieben, haben an unsere Idee geglaubt und hatten Vertrauen.

Was ist das Besondere an Scarosso?

Unser Preis- Leistungsverhältnis am Markt. Wir bieten Schuhe in handgemachter Qualität zu tollen Preisen. Man kann sich bei uns seine Schuhe individuell gestalten oder in den Stores nach Maß anfertigen lassen. Wir sind ein neues frisches Label am Markt.

Wie ist der Scarosso Look?

Sehr klassisch, sehr stilvoll, nicht extravagant. Ein Twist aus Farbspielerei und Materialien, sehr mailändisch inspiriert.

Was bedeutet denn italienischer Lifestyle?

Das alltägliche Leben mit einer gewissen Leichtigkeit zu genießen, das Essen, die Mode. Italienischer Lifestyle ist lebensbejahend, Emotionen werden gelebt nach dem Motto: Meine Güte, davon geht die Welt nicht unter. Der italienische, mailändische Stil ist cool, leicht und sehr auf Details abgestimmt.

Wie wird Euer Angebot, sich Schuhe auf Eurer Homepage selbst zu designen, angenommen?

Das wächst schön mit. Das ist eine eigene Kundengruppe, Leute, die etwas besonderes suchen, sich abgrenzen wollen. Individualität ist heute sehr wichtig. Jeder will es. Robert Polet, ehemaliger Gucci-Chef und einer unserer Investoren sagt, alle Luxus-Label versuchen ihre Kunden individuell einzukleiden, sich als Marke zu differenzieren. Das ist Teil unserer Ideologie.

 Ihr habt auch Accessoires, Reisetaschen im Angebot…

Ja, wir reisen selber viel. Es ist toll das eigene Gepäck mitzunehmen.

Was bedeutet Euer Slogan „Rebels on the Road“?

So hieß unsere Pop-up Tour durch Deutschland. Wir sehen uns als Rebellen im Schuh-Segment bei den Produkten und den Preisen. Da kann keiner mithalten, manche mögen uns deswegen sicher nicht. Wir wollen den Markt liberalisieren, handgemachte Luxusprodukte für die große Masse zugänglich machen. Handgemachte Schuhe kosten in der Regel 400€, wir bieten sie für 200€ an.

Was sind Eure Visionen?

Wir wollen eine globale Marke werden.

Wie wichtig sind Visionen?

Ganz wichtig. Man muss sich hohe Ziele stecken. Man braucht etwas, worauf man hinarbeiten kann. Wenn die Ziele hoch gesteckt sind, ist es toll 95 Prozent zu erreichen. Natürlich muss man Rückschläge hinnehmen können.

Wie viel unternehmerisches Wissen braucht man für ein Startup Unternehmen?

Wir hatten nur unser theoretisches Wissen, dass ist gut, um Prüfungen zu schreiben, aber nicht um ein Unternehmen zu gründen. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt. Man muss immer wieder aufstehen, man braucht einen großen Willen und Durchsetzungskraft. Man muss gewinnen wollen.

Braucht man einen langen Atem oder anders, wie wichtig sind Investoren?

Das muss sich jeder selbst überlegen. Ein Unternehmen kann auch organisch und langsam wachsen oder man entscheidet sich, Investoren mit hineinzunehmen und gibt Anteile ab. Dafür haben wir uns entschieden. Diese Herausforderung finden wir cool, wir wollten von Anfang an Vollgas geben und es ist viel Geld geflossen. Das bedeutet, dass auch viel gefordert wird. Investoren wollen am Ende des Tages eine Rendite sehen, Wachstumszahlen müssen erreicht werden, das ist ein konstanter täglicher Druck, der wichtig ist. So eine Entscheidung hängt von der Persönlichkeit ab.

Sind Dir traditionelle Werte wichtig?

Die schätze ich. Die Lust ist da, ein Unternehmen mit Tradition aufzubauen. Wir arbeiten immer noch mit der ersten Schuh-Manufaktur zusammen.

Wie lange ist ein Arbeitstag bei Dir?

Ich habe selten frei, teilweise bin ich bis nachts um eins im Office.

Was bedeuten Dir Familie und Freunde?

Die sind mega wichtig. Ich sehe meine Familie z.B. alle zwei Monate in Wien. Das ist eine Konstante, Wien hat sich nicht verändert. Dort gibt es keine Krise. Das Level bleibt konstant auf hohem Niveau. Es ist schön, dass dort alles am gleichen Fleck ist, die gleichen Cafés, die gleichen Leute, die dort beim Aperol Spritz sitzen und man setzt sich einfach wie immer dazu. Da habe ich meinen Rückhalt.

Was magst Du an Berlin?

Die Internationalität. Wir haben hier im Team Leute aus 15 Nationen. Das erweitert den Horizont, es gibt mehr als nur ein Land. In Berlin ist Tag und Nacht was los, die Mode ist pulsiv, wenn auch nicht unbedingt ganz unsere Welt.

Was ist ein glücklicher Moment für Dich?

Wenn ich mich entspannt fühle, alles ohne Mega Stress läuft, wenn ich mit Freunden und der Familie zusammen bin, Zeit gemeinsam mit lieben Menschen genieße, ohne dabei an 20 Mails zu denken. Ich kann entspannt sein, wenn ich weiß, dass es läuft, der Erfolg da ist. Ein glücklicher Moment ist auch, wenn ich morgens ins Büro komme und unser Team sehe.

Merci Marco

SCAROSSO BERLIN STORES

Mo- Sa: 10.00- 19.00 

Oranienburger Strasse 1-3

10178- Berlin-Mitte

Mo- Sa: 10.00- 20.00 

Kurfürstendamm 210

10719 Berlin-Charlottenburg

Mo- Fr: 11.00- 19.30/ Sa: 11.00- 19.00 

Quartier 206

Friedrichstrasse 71

10117 Berlin- Mitte

www.scarosso.com

LE CINEMA OLFACTIF: MOOD INDIGO

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Wasserlilie, Jazz & Der Schaum der Tage

Film und Parfum als ein Sinnes-Erlebnis, das verspricht die neue Reihe „Le Cinéma Olfactif“, die von Kaya Sorhaindo, dem Gründer des Berliner & Pariser Parfum Label “Folie à Plusieurs” ins Leben gerufen wurde. Den Auftakt machte am Freitag im Soho-House der Film „Mood Indigo“ (Der Schaum der Tage) von Michel Gondry. Speziell für diesen Film, der in der surrealen Welt der Träume spielt, vom Erwachen aus bunten Illusionen und haltlosem Glück, dem freien Fall aus der Verliebtheit in die Rückkehr der Realität auf den Pariser Boden erzählt, hat der Parfumeur Mark Buxton den Duft „Indigo“ kreiert. Ein Parfum, so Mark Buxton, der inspiriert sei vom Jazz, der Leichtigkeit des Glücks, dem Duft von Wasserlilien und sich dann mit seinen holzigen Basis-Noten wie Sandel- und Zedernholz zu einer bleibenden Erinnerung legt, ähnlich dem Rhythmus der Jazz-Legende Duke Ellington. Ich habe mich vor der Vorführung mit Helder Suffenplan von Scentury, dem Berliner Online-Magazin, dass sich dem Erzählen von Parfum-Stories verschrieben hat und Kooperationspartner von „Le Cinéma Olfactive“ ist, unterhalten.


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(Helder Suffenplan von SCENTURY)

Helder erzählt, dass zuerst der Film „Mood Indigo“ dagewesen sei und dann die Frage, welcher Parfumeur dazu passen könnte. Mark Buxton, der sich persönlich sehr für Jazz interessiere, habe sofort zugesagt. Helder geht davon aus, dass Film und Parfum viele Gemeinsamkeiten habe, beides Medien seien, die mit der Zeit spielen würden, in dem Moment, wenn der Filmprojektor läuft und der Duft auf der Haut liegt. Film würde die Geschichte von bestimmten Charakteren erzählen, genauso wie ein Parfum sich von der Kopf- zur Herznote entwickelt. Die Kombination vom Film „Mood Indigo“ und dem Duft „Indigo“ würde perfekt passen, weil der Film die Verliebtheit von Chloé und Colin erzählt und dann in das dunkle, schwere und auch traurige Ende weiterzieht.

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(Der Schaum der Tage, Colin (Romain Duris) und Chloé (Audrey Tautou) © StudioCanal)

Genauso entwickle sich auch der Duft, der anfänglich getragen von der leichten Note der Lilien zum holzigen, schweren Dry Down kommt. Die Kamille als verbindendes Duft-Element hätte beides in sich, die Helligkeit und die Schwere. Ich wollte von Helder wissen, ob man sich bei der finalen schweren Nuance aufgefordert fühlen könnte, den Duft nachzulegen. Helder lacht und sagt, dass der Duft “Indigo“ natürlich kein trauriger Duft sei, vielmehr ein Duft, der für sich steht, auch unabhängig vom Film. Düfte hätten ja sehr oft einen eher dunklen Dry Down. Ganz einfach weil es die Bestandteile sind, die länger anhalten. In dem Film „Mood Indigo“ ginge es um die Welt der Träume, auch um Alpträume, er verlässt die Welt des Realen, Gegenstände bekommen ein Eigenleben. Ein Parfum hätte auch zwei Parallelwelten, die der eigenen individuellen Erinnerungen und natürlich die der Vorstellungen des Parfumeurs, der mit seinem Duft gezielt Momente beschreiben möchte, mal fröhlich, mal romantisch oder herb. Dem könne man sich schwer entziehen, erzählt Helder. Erinnerung und Geruchssinn lägen auch neurologisch eng beieinander. Düfte seien starke Auslöser für oft zufällige Erinnerungen. Das könne der Duft eines vertrauten Menschen sein aber auch banalere Gerüche, wie ein Waschmittel oder ein Haarspray und plötzlich, wenn man sie wahrnimmt, kommt die bestimmte Lebenssituation wieder greifbar zu Tage.

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Auf die Frage, ob das in den Kinosaal eingesprühte Parfum das Filmerlebnis verändern würde, meint Helder, dass zum einen der Duft selbst eine unmittelbare Wirkung habe, die eventuell ausgelösten Erinnerungen aber bei jedem individuell sein könnten. Es gehe ja nicht darum, einen Zitronenduft zu sprühen, wenn im Film eine Zitrusfrucht aufgeschnitten wird, also zu doppeln, was man ohnehin auf der Leinwand sieht, sondern darum, die künstlerische Idee des Films zu verstärken. So habe Mark Buxton zum Beispiel extra für den Wes Anderson Film „Grand Budapest Hotel“ das Parfum „Eau de Panache“ entwickelt, dass mit seinen Noten den Concierge Gustav H, gespielt von Ralph Fiennes, charakterisiert. Der Duft “Indigo“ sei ein Parfum für Frauen und Männer gleichermaßen. Mark Buxton, der u.a. für Comme des Garçons  Düfte kreiert hat, würde Parfum kaum nach feminin oder maskulin definieren, ein Trend, der sich gerade im Avantgarde-Bereich der Duft-Welt mehr und mehr durchsetzt.

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Es war ein tolles Film- & Dufterlebnis. Heute Morgen lag noch der Duft von Sandelholz und Amber auf meiner Haut, ließ mich an Colin und Chloé denken, dass ich ihre rosa Traumwelt phantastisch fand und es liegt in der Natur des Menschen, dass ich mich lieber an die Süße des Anfangs erinnern möchte und mir einen Spritzer von „Indigo“ neu auf die Haut lege.

Merci an Helder Suffenplan von SCENTURY

www.scentury.com

INDIGO BY MARK BUXTON

erhältlich bei:

Breathe Cosmetics

Rosa-Luxemburg-Str. 28

 10178 Berlin-Mitte

 www.breathe-cosmetics.com

und im online-shop von:

www.folie-a-plusieurs.com

SUNDAY IMPRESSION:  „Lob der Liebe“ von Alian Badiou lese ich gerade, dazu höre ich die Filmmusik von Inside Llewyn Davis. Etwas Country, etwas Ruhe und Zeit für einen Blick zurück und die Frage, warum wir uns oft wünschen, dass der Andere sich nicht verändert, unser Bild von ihm in Stärke und Zuversicht bestehen bleibt. Haben wir verlernt, eigene Schwächen, Zweifel, die wir haben, auch dem Anderen zuzugestehen? In guten wie in schlechten Zeiten sage ich mir und glaube, dass wir viel zu oft nur die Guten willkommen heißen oder die weniger Guten nicht als jenes nehmen, was sie sind, das normale Leben, vielleicht weil es kein Maßband für Zeiteinheiten gibt. Alain Badiou schreibt: „Das ist die Vollkaskoversicherung der Liebe: Sie bekommen Liebe, aber haben Ihre Sache so gut kalkuliert, Ihren Partner von vornherein so gut ausgewählt, indem Sie sich durch das Internet klicken- Sie haben natürlich sein Foto, seine Vorlieben, sein Geburtsdatum, sein Sternzeichen- , dass Sie sich am Ende dieser ungeheuren Kombination sagen können: Mit dem wird es ohne Risiko funktionieren….Ich bin nun aber davon überzeugt, dass die Liebe als etwas, dass jeder will, als etwas, das beinahe für jeden das ausmacht, was dem Leben Intensität und Bedeutung verleiht, unter den Bedingungen der gänzlichen Abwesenheit von Risiken nicht dieses Geschenk an das Dasein sein kann.“
(Aus: Lob der Liebe, Alain Badiou)

SUNDAY IMPRESSION:  „Lob der Liebe“ von Alian Badiou lese ich gerade, dazu höre ich die Filmmusik von Inside Llewyn Davis. Etwas Country, etwas Ruhe und Zeit für einen Blick zurück und die Frage, warum wir uns oft wünschen, dass der Andere sich nicht verändert, unser Bild von ihm in Stärke und Zuversicht bestehen bleibt. Haben wir verlernt, eigene Schwächen, Zweifel, die wir haben, auch dem Anderen zuzugestehen? In guten wie in schlechten Zeiten sage ich mir und glaube, dass wir viel zu oft nur die Guten willkommen heißen oder die weniger Guten nicht als jenes nehmen, was sie sind, das normale Leben, vielleicht weil es kein Maßband für Zeiteinheiten gibt. Alain Badiou schreibt: „Das ist die Vollkaskoversicherung der Liebe: Sie bekommen Liebe, aber haben Ihre Sache so gut kalkuliert, Ihren Partner von vornherein so gut ausgewählt, indem Sie sich durch das Internet klicken- Sie haben natürlich sein Foto, seine Vorlieben, sein Geburtsdatum, sein Sternzeichen- , dass Sie sich am Ende dieser ungeheuren Kombination sagen können: Mit dem wird es ohne Risiko funktionieren….Ich bin nun aber davon überzeugt, dass die Liebe als etwas, dass jeder will, als etwas, das beinahe für jeden das ausmacht, was dem Leben Intensität und Bedeutung verleiht, unter den Bedingungen der gänzlichen Abwesenheit von Risiken nicht dieses Geschenk an das Dasein sein kann.“

(Aus: Lob der Liebe, Alain Badiou)

JACKS HAIRLOUNGE: SPRING IS CALLING & HAIR-TRENDS

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Ich glaube es ist ein Mythos, davon auszugehen, dass ein veränderter Hair-Look das Sinnbild tiefgründiger Entscheidungen privater Natur sein müssten. Manchmal ist es einfach die Lust, etwas Neues auszuprobieren, die Blicke der Anderen zu sehen, die versuchen veränderte und gewohnte Erscheinung zusammen zu bringen und natürlich die Fragen zu hören: Wie man auf die Idee gekommen ist, das Haar von heute auf Morgen von einem Langhaarschnitt auf einen Bob zu reduzieren, vom Sternentalerblond auf Indianer-Squaw-Braun umzuschwenken oder dem neuen Trend folgend, sich auffällige Metallic-Farben ins Haar zu strähnen. Manchmal sind es intuitive Entscheidung, oft geplant, final die Beratung des Hair-Stylisten. Der Frühling treibt sein lustiges Spiel mit den Erwartungen, macht Lust mir ein paar Tipps für Hair-Styling- und Pflege bei Jacks Hairlounge zu holen, die seit Februar eröffnet, zu der wunderbaren Welt von Jacks Beauty Department gehört.

Bedros Demircioglu ist einer von drei Geschwistern, die von München nach Berlin gekommen sind, um die Depandance in Berlin zu eröffnen. Er erzählt mir, dass sie alle drei, seine Schwester Alin und sein Bruder Ararat schon als Kinder Friseur werden wollten. Seit acht Jahren arbeiten die Geschwister nun zusammen und freuen sich, in Berlin Jacks Hairlounge eröffnet zu haben, was bedeutet, dass sie im Tonus von zwei Wochen zwischen Berlin und München pendeln. Auf die Frage wo der Unterschied zwischen dem typischen Münchner und Berliner Look liegt, sagt Bedros, dass in München der äußere Schein sehr wichtig sei und in Berlin eher die lässige Ausstrahlung.

Für diesen Frühling und Sommer sieht Bedros kaum lange Haare, maximal bis zu den Schultern würden sie gehen, lange Bobs wären en vouge, oder gestufte Cuts im Hippie- Style, lässig und in knalligen Farben. Kupfer, Pink-Nuancen, Violett wären die Basics für das bunte Sommer-Feeling. Wer sich traut, schwört auf den neuen Metallic-Look. Bei den kurzen Haaren bleibt der Undercut und die Pixie-Style angesagt. Bedros und sein Team setzen auf Tönungen, die im Sonnenlicht eine schöne Reflexion haben. Eine ehrliche Beratung sei für ihn zu 100% wichtig, zudem nur zufriedene Kunden wieder kommen würden. Projektmanagement innerhalb einer Stunde nennt er das. Bedros freut sich, dass die Hairlounge in direkter Anbindung zu Jacks Beauty Department liegt, sich dadurch tolle Synergien von Beauty- & Hair Beratung ergeben würden. Für die Pflege schwört er in diesem Sommer auf die wieder kommenden Trocken-Shampoos, wie den Hair-Refresher von Davines, ideal für den Travel-Lifestyle.   

Für den Sommer erfrischend, mit dem Duft von jungen Pfirsichen, die Anti-Aging Cream Momo, die nach dem Pool oder Meeresausflug sanft ins Haar einmassiert, gegen Dehydrierung wirkt und durch Vitamin E vor Sonneneinstrahlung schützt.

Zur Entspannung empfiehlt Bedros die Well-Being Conditioner, die aus ätherischen Ölen wie Nelke, Muskat und Sandelholz beruhigend wirken und Schutz und Feuchtigkeit spenden.

Ich gönne mir einen Cappuccino und eine Tönung in Dunkelblond, Gold, Kuper, die mir verschiedenste Blicke beschert und ich mich frage, ob sich meine Persönlichkeit jetzt auch verändert hat.

JACKS HAIRLOUNGE

Mo- Fr: 10.00- 20.00/ Sa: 10.00- 18.00

Sredzkistr. 52

10405 Berlin-Prenzlauer Berg

www.jacks-beautydepartment.com/store/berlin-hairlounge

AI WEIWEI „EVIDENCE“: MARTIN GROPIUS BAU

Als ich die Ai Weiwei Ausstellung “Evidence” besuche, ich hatte große Erwartungen, noch nie habe ich die Werke des chinesischen Künstlers gesehen, liegt der Geruch von Wald, über den es letzte Nacht geregnet haben muss, in der Luft des Entrées.  6.000 Hocker, die wie gerodete Baumstämme im Atrium stehen, geben das wunderbare Gefühl von Weite und gleichzeitiger Einheit. Die Hocker ähnlich, zwischendurch mal einer in türkis oder gelb, sind gesammelte Holzschemel aus der Ming- und Qing Dynastie und der Volksrepublik China. Ein Hinweis auf die bäuerliche Tradition des Landes und ihre Vergänglichkeit, der Übergang von der alten in die neue Welt, was ich an der Arbeit von Ai Weiwei großartig finde. Hocker, die zurückgelassen werden, wenn die Bauern in die Städte ziehen. Für einen Moment hatte ich Lust über die Hocker unter dem feinen Stoff des verhangenen Atrium-Daches zu laufen. Vielleicht weckt der Anblick von Gleichheit den Wunsch danach, besonders zu sein, die Masse zu verlassen, um dann wieder dazu zugehören.

Die hölzernen Hocker (Stools, 2014) sind ein melancholisches Bild eines sich auflösenden Zeitalters, seiner  Geschichte und Schlüssel für die weitere Ausstellung. Die von Ai Weiwei mit Autolack überzogenen Vasen der Han-Dynastie glänzen in bekannten Straßenbild-Farben von Mercedes Benz und BMW, verlieren aber trotzdem nicht die Aura ihrer vergangenen Kultur, die unter der dünnen Oberfläche erkennbar bleibt.

Nachdem ich die Vasen gesehen habe, betrachte ich den Fußboden des Martin Gropius Baus genauer, die Fliesen mit den Blumenmustern und habe Lust die Vergangenheit dieses Ortes zu sehen, der sich nur ein paar Meter von der ehemaligen Berliner Mauer befindet.

Vielleicht liegt es daran, dass man die Mauer-Zeit kennt und deshalb sensibel ist, wenn bei Künstlern politische Unterdrückung zum Ausdruck ihres Schaffens wird, wie z.B. bei Ai Weiweis nachgebildeter Zelle seiner 81-tägigen Inhaftierung oder die Plastikbügel, die in einer Vitrine liegen, die er sich in der Haftzeit erbat, um seine Kleidung aufzuhängen. Ich denke darüber nach, dass wir Ai WeiWeis Kunst in der extra für den Martin Gropius Bau konzipierten Ausstellung sehen können, er ein Forum im Ausland hat, was den Gedanken zulässt, dass es in China sehr viele Künstler geben wird, die wir nicht kennen.

Das Festhalten an einer sich verabschiedenden Welt, die verbraucht wird, im Zusammenbruch ist, Ai WeiWei vermischt seine Erfahrungen mit dem jetzigen China und der traditionellen  Rückbesinnung, wenn er z.B. den Beton- und Ziegelschutt seines von den Behörden 2011 in Shanghai abgerissenen Atelies in einem alten Holzrahmen zusammen hält (Souvenir from Shanghai, 2012).

Ai Weiwei scheint die Regeln der neuen Welt gut zu kennen, er ist ein Meister der medialen Inszenierung. Interessant finde ich sein Werk „Koffer für einen Junggesellen“ (1987) aus seiner New Yorker Zeit, wo er von 1983- 1993 lebte, die für eine Suche nach dem westlichen Blick stehen kann, der Koffer, der neben Zahnpasta und Becher für einen großen Spiegel Platz hat. Ein Spiegel zur Selbstbetrachtung.

Es zieht einen von Raum zu Raum, die mit chinesischen Schuldscheinen tapeziert sind. Mich begeisterten seine Werke, wenn er die Vergangenheit mit den modernen Tendenzen in Verbindung bringt, die keine Ländergrenzen kennen, wie bei „Cosmetics“, wo er aus Jadeobjekten moderne Behälter für Kosmetikprodukte macht oder alte Stühle und Tische mit einer Patina bedeckt, ihre Vergangenheit und Gebrauchsspuren auslöscht, Zeit zum Nachdenken über Originalität und Verflogenes gibt, man muss nicht immer vergleichen.

Schön finde ich, dass mir die Ausstellung Lust zum Nachdenken über die eigene Geschichte und Herkunft macht, auch wenn der Ursprung woanders liegt und China ein Land mit einer eindrucksvollen Kultur ist. Vielleicht ist genau das in der neuen Welt nicht mehr so wichtig, wo der Ursprung liegt, wir können überall sein, Entwurzelung inklusive oder uns dem Wandel verweigern, ab und an.

 AI WEIWEI EVIDENCE

 3. April- 7. Juli 2014

 Martin Gropius Bau

 Mi- Mo: 10.00- 19.00/ Di: geschlossen/ ab 20. Mai tgl. 10.00- 20.00

 Niederkirchnerstraße 7

 10963 Berlin

 www.gropiusbau.de

 (photos © hannes hametner)

SUNDAY IMPRESSION: “Und allmählich stellte er fest, dass es durchaus befriedigend sein konnte, schon länger als ein halbes Jahrhundert zu leben: Auf der Straße konnte der eigene Gang zum Ausdruck bringen, wie ruhig und verantwortungsbewusst man geworden war; man jagte nicht mehr überstürzt etwas Vergänglichem nach. In halbwegs gutem Anzug sah man stets würdevoll aus, egal, ob man es tatsächlich war oder nicht, und man konnte sich fast immer darauf verlassen, “Sir” genannt zu werden. Die Bar im Hotel würde geöffnet sein; das war schön, denn es bedeutete, dass Michael Davenport, allein mit seiner Skepsis, im Schatten und Stimmengemurmel sitzen und ein Gläschen trinken konnte, bevor er nach oben ging. Vielleicht würde sie kommen und mit ihm leben, vielleicht auch nicht; und es gab noch eine dritte schreckliche Möglichkeit: Vielleicht würde sie kommen, im Geiste zögerlicher Willfährigkeit nur ein Weilchen bei ihm bleiben und darauf warten, dass ihr gesunder Menschenverstand sie befreite.”
(Aus: Eine strahlende Zukunft, Richard Yates, Original: “Young Hearts Crying” 1984)

SUNDAY IMPRESSION: “Und allmählich stellte er fest, dass es durchaus befriedigend sein konnte, schon länger als ein halbes Jahrhundert zu leben: Auf der Straße konnte der eigene Gang zum Ausdruck bringen, wie ruhig und verantwortungsbewusst man geworden war; man jagte nicht mehr überstürzt etwas Vergänglichem nach. In halbwegs gutem Anzug sah man stets würdevoll aus, egal, ob man es tatsächlich war oder nicht, und man konnte sich fast immer darauf verlassen, “Sir” genannt zu werden. Die Bar im Hotel würde geöffnet sein; das war schön, denn es bedeutete, dass Michael Davenport, allein mit seiner Skepsis, im Schatten und Stimmengemurmel sitzen und ein Gläschen trinken konnte, bevor er nach oben ging. Vielleicht würde sie kommen und mit ihm leben, vielleicht auch nicht; und es gab noch eine dritte schreckliche Möglichkeit: Vielleicht würde sie kommen, im Geiste zögerlicher Willfährigkeit nur ein Weilchen bei ihm bleiben und darauf warten, dass ihr gesunder Menschenverstand sie befreite.”

(Aus: Eine strahlende Zukunft, Richard Yates, Original: “Young Hearts Crying” 1984)

BERLIN FASHION: BOBBY KOLADE KOLLEKTION 39

ROLLENSPIEL & ELEGANTE BRÜCHE

Einen ungewöhnlichen Ort hat sich der erst 27-jährige Designer Bobby Kolade für die Präsentation seiner Womenswear Show “Kollektion 39″ vor zwei Tagen ausgesucht: Die Galerie Patrick Ebensperger, die sich in einem ehemaligen Krematorium in Berlin-Wedding befindet. Es gibt keine Hausnummer, die Mauer um den Friedhof, grobe Pflastersteine der Plantagenstraße, die neogotisch anmutende Kapelle, Fenster weiß bestrichen, lassen eine ruhige ja fast andächtige Stimmung aufkommen. Die Show beginnt mit Dunkelheit und meditativer Musik von Léopold, bevor das Licht hell aufleuchtet, der Sound von Argy & Mama die Models in der “Kollektion 39″ über den Runway in flachen Schuhen aus Naturmaterialien von Rombaut trägt.

Eine Kollektion, die Entspannung bringt und gleichzeitig durch ihre Brüche fasziniert. Bustiers ohne Träger zu sportlich eleganten ¾ Hosen, minimalistische Anzüge, die durch farbige Details wie Fransen in rot, gelb oder türkis zu Hinguckern werden und leger mit Baumwolltüchern einen Touch von lässiger Unbekümmertheit bekommen.

Kastenmäntel in knalligem Gelb, warmen Rot-Tönen oder Metallic Parka verändern die körperbetonten Looks der Kollektion. Mich erinnert die “Kollektion 39″ an den Habitus von Bienenköniginnen. Die Outfits haben oft einen sehr femininen Aspekt, wie rückenfreie Träger-Bustiers mit feinen eingearbeiteten Tüchern und wippenden Jabots, die aber durch die bequem wirkenden Hosen und asymmetrischen Röcke ihre festgelegte Richtung verlieren und klar machen, in der “Kollektion 39″ ist Frau schnell und taff unterwegs.

Ein kokettes Spiel zwischen den Zeiten, elegante weiße Blusen unter Jacketts zu geometrisch schwingenden Mini-Röcken, zugeknöpft und trotzdem beschwingt. Als ob man bei aller Geschäftigkeit nicht geneigt ist seiner Feminität abzuschwören.

Ich mochte sehr den Sexappeal freier Rücken und der leichten Geometrie auf der Haut.

 www.bobbykolade.com

FAMILIEN ALBEN & MEMORIES: SCHOENE SCHREIBWAREN

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Heute war ich auf der Suche nach einer Gelegenheit meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen, endlich mal wieder ein Photo-Album zu machen. Bei jedem Sommerurlaub mit den Kindern, wenn ihre Haut gesund gebräunt, der Schalk aus ihren Gesichtern lacht, ihr Kreischen auf fremden Rummelplätzen, Staunen über Zuckerwatte so groß wie Wolken am Himmel von unten, nehme ich es mir vor. Sammle kleine Muscheln dazu, eine Brise Sonnenstrand, eine blondes Löckchen, bemalte Servietten vom Warten in der Pizzeria.

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Ich möchte auch ein Photo-Album über die Liebe, der ersten Reise nach Paris, dem Geruch von Regenluft in der Nase, den Jalousien vom Hotelzimmer gegenüber dem Kino mit den Nachmittagsvorstellungen, das Päckchen Zucker aus dem Cafè Odessa dazu eingeklebt neben der Eintrittskarte vom Grand Palais und Metro-Tickets.

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Ein Photo-Album über das Älter werden der ersten Familie, als man ein Kind war, der Obhut längst entflogen, die Eltern zu Großeltern geworden, man selber nachgerückt in dem Spiel der Generationen. Ich hatte es verlernt, mir die Zeit zu nehmen, Bilder abzuziehen, aus der Vielzahl der digitalen Schnappschüsse, die Schönsten auszusuchen.

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Beim Spazieren gehen habe ich am Rosenthaler Platz  bei “Schoene Schreibwaren”  Photo-Alben gefunden, die Lust darauf machen, sich Zeit für ein Familien-Album zu nehmen, Kinder- , Liebes- , Elternbilder in einem Buch festzuhalten. Ob in hellen Pastell-Tönen, geordnetem Karo-Muster, mit Vögeln oder zarten Blumen, alle Alben und Leporellos werden in Berlin von der Buchbinderin Diana Weinhold in Handarbeit hergestellt.  Dazu fand ich den nach Marzipan duftenden Kleber (vegan) mit feinem Pinsel von Coccoina und einen weißen Ceramic Pencutter. (Merci an Justin von “Schoene Schreibwaren” für die tolle Beratung)

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SCHÖNE SCHREIBWAREN

Mo- Sa: 10.30- 19.00

Weinbergsweg 21

10119 Berlin- Mitte

www.schoeneschreibwaren.com

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REMBRANDT BUGATTI: ALTE NATIONALGALERIE

                                                           ( text & photos von Hannes Hametner)

Wer bei Bugatti bislang an die legendären Luxusautos, an Drehzahl, Geschwindigkeit und Kubikzentimeter dachte, der hat derzeit in der Alten Nationalgalerie in Berlin die Gelegenheit, sich die Augen zu reiben und zu staunen.

Was dort jetzt auf drei Etagen, eingebettet in die Dauerausstellung  preußischer Kunstsammlung gezeigt wird, ist die erste Weltausstellung mit den einzigartigen Werken des kaum bekannten Bildhauers Rembrandt Bugatti – und nebenbei eine interessante Familiengeschichte.

Rembrandt Bugatti und sein drei Jahre ältere Bruder, der spätere Automobilkonstrukteur und Firmengründer Ettore wachsen in dem mondänen, weltoffenen Künstlerhaushalt des Designers und Architekten Carlo Bugatti in Mailand auf. Beide Jungen arbeiten in der Werkstatt des Vaters mit. Die Legende will es so, dass der Vater Carlo die ersten Skulpturen seines jüngsten Sohnes, drei Kühe, dort entdeckt und seine Begabung fördert – Bugatti ist 13. Hier beginnt der Weg eines sensiblen jungen Künstlers, der früh erfolgreich, mit 18 Jahren stellt er seine Skulpturen auf der Biennale in Venedig aus, sein Leben der bildhauerischen Gestaltung von Tieren widmet.

Ohne Kunststudium, ohne anatomische Lehre, andere Bildhauer sezieren zur Grundlagenforschung Tiere, arbeitet Bugatti aus der reinen Beobachtung, der schöpfenden Nachahmung. Der Zoo wird sein Zuhause, seine Lebensstationen widmet er der Artenvielfalt der Tierwelt.

(Rembrandt Bugatti, Zoo Antwerpen, 1910)

Die Familie geht aus finanziellen Gründen nach Paris – ein doppelter Glücksfall für Rembrandt, der noch nicht volljährig einen Vertrag mit dem bedeutenden Galeristen und Betreiber einer Bronzegießerei Hébard abschließt, ausstellen, gut verkaufen kann und im Jardin du Plants, dem Pariser Zoo, seine Welt findet. Während gleichzeitig Picasso, Modigliani, Braque und all die Anderen die Kunst revolutionieren, beobachtet Bugatti wochenlang vor und hinter den Gittern, hält Zwiesprache, entdeckt das Wesen der Tiere, ihre Individualität und modelliert den Moment ihres wesentlichen Ausdrucks.

Bugatti, der 1906 nach Antwerpen zieht, um im dortigen Zoo, der eine größere Artenvielfalt besitzt, seine Arbeiten fortzusetzen, ereilt das Schicksal des frühen 20 Jahrhunderts. Nach Beginn des ersten Weltkrieges wird im Antwerpener Zoo ein Feldlazarett eingerichtet und Tiere aus Futtermangel notgeschlachtet. Während Bugatti zeitlebens den Tieren ein individuelles, fast menschenähnliches Seelenleben gibt, entpuppt der Mensch sich als die Bestie. Im feinen Anzug, ein frischer Blumenstrauß in der Vase, vergiftet sich Bugatti 1916 in Paris mit Gas. An seine Tante schrieb er kurz vorher: „Wäre ich nie Tierbildhauer geworden.“

Das Besondere der Ausstellung ist es, diese 83 Skulpturen, die auf wunderbar leichten Gestellen in der Arbeitshöhe ihrer Entstehung präsentiert werden, wieder in den Kontext der Kunst einzubetten. So korrespondiert „der Königstiger“ mit Gaugins „Tahitianischen Fischerinnen“, der „Bettelnde Elefant“ mit impressionistischen Gemälden, während das Finale im Caspar David Friedrich Saal ausgetragen wird. Von dort aus erscheint der „Kleine dressierte Elefant“ vom Beginn des Rundgangs, der erst zehn Jahre nach Rembrandts Tod zur Kühlerfigur des legendären Bugatti Royale umfunktioniert wurde, geradezu übermütig.

Die Ruhe, die Leichtigkeit, die Erhabenheit, die von den Plastiken ausgeht, die fein, fast zärtlich gestaltete Muskulatur, die Gestik, die Körperhaltungen, die anmutige Innigkeit der Paarungen, die in den Augenblick der Abbildung geronnene Individualität zeigen einen beobachtenden Künstler, der sich in sein Gegenüber hineinversetzt und dessen Seele erkundet hat.

Die Alte Nationalgalerie ist mit der Ausstellung zu einer Art Arche Noah geworden, und an Land gehen die Schöpfungen Rembrandt Bugatttis, mit uns seine Empfindsamkeit zu teilen.

REMBRANDT BUGATTI

ALTE NATIONALGALERIE 28. MÄRZ- 27. JULI 2014

Di, Mi, Fr, Sa, So: 10.00- 18.00/ Do: 10.00- 20.00/ Mo: geschlossen

Museumsinsel

Bodestr. 1- 3

10178 Berlin- Mitte

www.rembrandtbugattiinberlin.de

SUNDAY IMPRESSION:
Füße in Sandalen nackt, klipp klapp es auf der Straße hallt, Augenlider lustig klimpern, Knospenpracht an Ästen, Stoffen, wunschlos lächelnd fast beseelt, Frühlingstanz begonnen hat, kleines Glück, komm doch öfter, herrlich wie an jenem Sonnentag…

SUNDAY IMPRESSION:

Füße in Sandalen nackt, klipp klapp es auf der Straße hallt, Augenlider lustig klimpern, Knospenpracht an Ästen, Stoffen, wunschlos lächelnd fast beseelt, Frühlingstanz begonnen hat, kleines Glück, komm doch öfter, herrlich wie an jenem Sonnentag…